Das Wichtigste im Überblick
- Ein Torfdachhof in Ostisland, der noch immer von Bewohnern bewohnt wird, die inmitten der Fjordsiedlungen die traditionelle Bauweise und Lebensart pflegen.
- Die Elfenhauptstadt Islands, ein Hügel über dem Dorf, auf dem nach dem Glauben vieler Isländer das verborgene Volk lebt. Der lokale Respekt vor dem Elfenglauben ist tief in der Kultur der Gemeinschaft verwurzelt.
- Aus Torf als Dämmung und Schutz gebaut, zeigen diese Häuser, wie sich Isländer über Jahrhunderte mit den verfügbaren Materialien an das raue Klima der Fjorde anpassten.
- Kleine Fjordsiedlungen wie Bakkagerdi bestehen dank ihres Fischereierbes und des Tourismus fort. Sie bewahren ihre Identität und passen sich zugleich modernen wirtschaftlichen Gegebenheiten an.
- Heringsfischerei und Seehandel prägten diese Gemeinschaften tiefgreifend. Norwegische Holzhäuser in Seydisfjordur und lokale Kirchen spiegeln Jahrhunderte maritimer Traditionen wider.
Grassoden: Bauen ohne Bäume im Nordatlantik
Die Fjordsiedlungen in East Iceland entstanden in einer Landschaft, die fast vollständig ohne Wald auskam. Die ersten isländischen Siedler, die im 9. Jahrhundert ankamen, fanden nur spärliches Birkengebüsch und baumlose Hochflächen vor, wodurch importiertes Holz unerschwinglich teuer war. Grassoden wurden zur Lösung: Schichten aus Rasen und Erde, die über Holzgerüsten aufgeschichtet wurden und Wände von bis zu einem Meter Dicke bildeten, welche gegen winterliche Temperaturen von minus 15°C isolierten. Die Grassoden nahmen Feuchtigkeit aus den Stürmen des Atlantiks auf und mussten ständig instand gehalten werden, doch über Jahrhunderte waren sie das einzige praktische Material, das gewöhnlichen Familien zur Verfügung stand.
Auf dieser Tour besuchen Sie ein noch bewohntes Torfhaus, an dem die Bautechnik weiterhin sichtbar ist: die geschichteten Erdwände, die niedrigen Türen zum Speichern der Wärme und das dicke Torfdach, das sich allmählich in lebendiges Grasland verwandelt. Diese Gebäude stehen nicht für primitive Bauweise, sondern für eine geniale Anpassung an eine extreme Umgebung. In abgelegenen Fjorden blieben Torfbauten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein erhalten, und Restaurierungsarbeiten in Ostisland haben Beispiele bewahrt, die zeigen, wie Familien in diesen bescheidenen, erdverbundenen Häusern lebten, kochten und die arktische Nacht überstanden.
Lindarbakki: Ein noch bewohntes Torfhaus
Lindarbakki zählt zu den seltenen bewohnten Torfhäusern Islands und bietet Einblicke darin, wie diese Gebäude im Alltag funktionieren, statt lediglich Museumsstücke zu sein. Nach traditionellen Methoden errichtet, veranschaulicht das Haus die Realität des Lebens im Torfhaus: die Speichermasse, die im Inneren für stabile Temperaturen sorgt, die sorgfältige Regulierung von Feuchtigkeit und Luftzirkulation sowie die enge Verbindung zwischen Familie und Landschaft. Anders als konservierte Beispiele hinter Absperrungen zeigt Lindarbakki, wie sich die Torfarchitektur dem modernen Leben anpasste und zugleich ihren historischen Charakter bewahrte.
Auf dieser Tour erleben Sie die Realität des Wohnens im Torfhaus aus erster Hand. Die dicken Wände und niedrigen Decken spiegeln praktische Entscheidungen vieler Generationen von Baumeistern wider, keine ästhetischen Vorlieben. Das Haus zeigt, wie Familien begrenzten Raum optimal nutzten, Fenster so platzierten, dass sie in den Wintermonaten mit nur wenigen Stunden Tageslicht möglichst viel Licht einfingen, und Entwässerungssysteme für das feuchte isländische Klima entwickelten. Ein Rundgang durch ein bewohntes Torfhaus verbindet Sie auf eine Weise mit Jahrhunderten nordatlantischer Siedlungsgeschichte, wie es Fotos nicht können.
Lindarbakkis Wohnhaus mit Torfdach rahmt den Fjord im Hintergrund ein
Álfaborg: Islands Elfenhauptstadt über dem Dorf
An einem Hang über dem Dorf Bakkagerði erhebt sich Álfaborg, in ganz Island als Elfenhauptstadt bekannt. Viele Isländer glauben, dass dieser etwa 40 Meter hohe Felsvorsprung die Heimat des verborgenen Volkes oder huldufólk ist, jener Geister, die auf der ganzen Insel in Felsen und Hügeln leben sollen. Der Elfenglaube wird keineswegs als bloße Folklore abgetan, sondern beeinflusst reale Entscheidungen im modernen Island: Straßenbauprojekte wurden umgeleitet, um Elfensiedlungen nicht zu stören, und Bauunternehmen ziehen Fachleute hinzu, um zu prüfen, ob Orte vom verborgenen Volk bewohnt sind.
Dass der Elfenglaube im heutigen Island fortbesteht, spiegelt eine kulturelle Haltung wider, die sich deutlich davon unterscheidet, Folklore als Aberglauben abzutun. Viele Isländer verstehen den Respekt vor dem Land und seiner spirituellen Dimension als praktische Weisheit, nicht als wörtlichen Glauben an übernatürliche Wesen. In Álfaborg schaffen eindrucksvolle Geologie, historische Siedlungsmuster und lebendige spirituelle Tradition gemeinsam eine Landschaft, in der altes Verständnis für einen Ort weiterhin lebendig ist. Diese Tour erkundet, wie Glaubenssysteme die Modernisierung überdauern und bis heute prägen, wie Isländer mit ihrer natürlichen Umwelt verbunden sind.
Das Kirchenaltarbild in Bakkagerði
Die Dorfkirche von Bakkagerði beherbergt ein bemerkenswertes Altarbild, das das künstlerische und spirituelle Erbe der Fjordgemeinschaften Ostislands widerspiegelt. Wie viele ländliche isländische Kirchen steht sie für Jahrhunderte künstlerischer Tradition und für die Rolle, die diese Gebäude als kulturelle Zentren abgelegener Siedlungen spielten. Das Altarbild erzählt durch Bildsprache und Handwerkskunst Geschichten und erfüllte in einer Gemeinschaft, in der die Kirche oft der einzige Treffpunkt außerhalb des eigenen Zuhauses war, sowohl spirituelle als auch bildende Funktionen.
Diese schlichte Kirche, eingebettet in eine Landschaft aus Bergen und Meer, prägte das gesellschaftliche Leben eines Fischerdorfs, das für sein Überleben auf den Zusammenhalt der Gemeinschaft angewiesen war. Das Altarbild erinnert daran, dass Isländer selbst an abgelegenen Orten Verbindungen zu europäischen Kunsttraditionen pflegten und qualifizierte Handwerkskunst in ihre Gotteshäuser brachten. Das Altarbild an seinem ursprünglichen Ort zu sehen, umgeben von der Fjordlandschaft, auf die es seit Generationen blickt, eröffnet Bedeutungsebenen, die Ausstellungen in größeren Museen nicht vermitteln können.





























Das norwegische Holzerbe von Seyðisfjörður
Ein Spaziergang durch Seyðisfjörður offenbart ein für Island ungewöhnliches Straßenbild: farbenfrohe Holzhäuser, Baustile nach norwegischen Vorbildern des 19. Jahrhunderts und eine Ufergestaltung, die eher für skandinavische Fischereihäfen als für isländische Siedlungen typisch ist. Dieser unverwechselbare Charakter entstand während des Heringsbooms, als norwegische Händler und Fischer die Wirtschaft Ostislands prägten und ihre Bautraditionen mitbrachten. Die in Teilen aus Norwegen verschifften Holzhäuser wurden zu Symbolen für wirtschaftlichen Wohlstand und kulturellen Austausch.
Anders als die Torfhäuser, die für Selbstversorgung und lokale Anpassung standen, verkörperten diese gestrichenen Holzbauten internationalen Handel und wirtschaftliche Integration. Viele Gebäude stammen aus den 1890er-Jahren und den frühen 1900er-Jahren, als der Heringsfang seinen Höhepunkt erreichte und Familien durch den Fang zu Wohlstand kamen. Die Architektur erzählt davon, wie eine kleine Fjordgemeinschaft Anschluss an umfassendere Handelsnetzwerke im Atlantik fand. Heute hebt sich Seyðisfjörður durch sein unverwechselbares Erscheinungsbild von anderen isländischen Städten ab und bewahrt die materielle Erinnerung an eine Zeit, in der norwegischer Einfluss Wirtschaft und Identität der Region prägte.
Hering und Aufstieg und Niedergang des Wohlstands in den Fjorden
Von den 1880er-Jahren bis in die 1960er-Jahre bestimmte der Hering das Wirtschaftsleben der Fjordsiedlungen Ostislands. Riesige Schwärme Atlantischen Herings zogen saisonal durch diese Gewässer, und Fischerfamilien entwickelten Techniken, Verarbeitungsmethoden und Handelsnetzwerke rund um den Fang. Auf dem Höhepunkt brachte der Hering Reichtum, der kleine Dörfer in geschäftige Häfen verwandelte. Fischverarbeitungsbetriebe beschäftigten Hunderte Menschen, Handelsschiffe wurden mit Fracht für europäische Märkte beladen, und junge Menschen aus ganz Island zogen für Saisonarbeit in diese Fjorde, deren Verdienst eine Familie monatelang ernähren konnte.
Der Zusammenbruch kam abrupt. Überfischung ließ die Bestände schwinden, die Bedingungen im Meer veränderten sich, und in den 1960er-Jahren verschwand der Hering aus den Gewässern Ostislands. Gemeinschaften, die in Verarbeitungsinfrastruktur investiert und ihre Identität auf die Fischerei aufgebaut hatten, sahen sich plötzlich mit Armut konfrontiert. Viele Bewohner wanderten auf der Suche nach Arbeit nach Reykjavík oder ins Ausland ab. Die Dörfer überlebten durch die Ausweitung auf andere Fischarten und den Tourismus, doch die Heringszeit ist bis heute tief in der lokalen Erinnerung verankert. Diese Tour zeichnet jene Geschichte anhand der Architektur, Siedlungsmuster und der Landschaft selbst nach und zeigt, wie eine einzige Ressource eine Gesellschaft formte und wie ihr Verlust eine vollständige soziale Neuordnung erforderte.
Die Fjorde Ostislands: Wo Siedlungen heute fortbestehen
Die Fischerdörfer Ostislands bestehen in einer Umgebung fort, die eine ständige Auseinandersetzung mit Geografie und Klima verlangt. Seyðisfjörður, Bakkagerði und die umliegenden Siedlungen sind trotz ihrer Abgeschiedenheit, schwieriger Winterbedingungen und begrenzter wirtschaftlicher Möglichkeiten weiterhin bewohnt. Ihr Fortbestehen zeugt von Beharrlichkeit, kultureller Verbundenheit mit dem Ort und kontinuierlicher Anpassung an veränderte Umstände. Die heutigen Bewohner pflegen die Verbindung zu ihrem angestammten Land und schaffen zugleich Lebensgrundlagen im Tourismus, in der Kleinfischerei und in Dienstleistungen für die Gemeinschaften selbst.
Diese 5-hour Tour ab dem Hafen von Seyðisfjörður führt Sie zu vier unterschiedlichen Orten in der nordöstlichen Region und zeigt, wie diese Fjordsiedlungen Jahrhunderte der Isolation und des wirtschaftlichen Wandels überdauerten. Ihr Guide vermittelt Hintergründe zu den Landschaften, die Sie erleben, und verbindet sichtbare Elemente wie Torfbauten, felsige Hügelkuppen und Holzhäuser mit den menschlichen Geschichten, für die sie stehen. Die Tour startet am Kreuzfahrtterminal und umfasst Transport sowie fachkundige Begleitung, sodass Sie die kulturelle Geografie Ostislands ohne komplizierte Planung erleben können.